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Auswirkungen der Untervalorisierung in den Wohngemeinschaften der Wiener Behindertenhilfe

„Summer in the City"

Unter dieser Überschrift lädt eine Wiener Gebietsbetreuung Interessierte zum Fotowettbewerb und anderen nachbarschaftlichen Aktivitäten ein.
Sommer - lange Tage, kurze Nächte – die Jahreszeit, um im Freien mit anderen gemeinsam das Leben zu genießen und für die unwirtlicheren Tage des Jahres aufzutanken.
Parks, Bäder, Schanigärten, Freiluftkinos und -konzerte u.v.m. laden die Wiener im eigenen Grätzel und darüber hinaus ein, sich aus der Fülle von Angeboten, das ihre zu wählen. Wien kann was, es bietet seinen Einwohnern etwas, Jungen wie Alten, und es braucht für vieles nicht die dicke Börse.
Im März 2018 wurde Wien, vom Beratungsunternehmen Mercer, zum neunten Mal zur weltweit lebenswertesten Stadt gekürt. „Wien überzeugt vor allem durch Sicherheit, einen sehr guten öffentlichen Nahverkehr und eine Vielfalt an Kultur- und Freizeiteinrichtungen" lautet die Begründung. Yes!!!

Perfekte Rahmenbedingungen zum „Come Together", zum sich treiben lassen, schauen, mitmachen - sich unters Volk mischen, Teil dieser städtischen Gemeinschaft zu sein, um dabei zu sein, zur gleichberechtigten Teilhabe aller.
Perfekte Rahmenbedingungen, wenn man unabhängig von anderen seine Freizeit gestalten, sich seines aus der Fülle auswählen kann. Yes!!!

Wie sieht das aber aus, wenn man auf andere angewiesen ist, um dabei sein zu können, um sich seinen Teil vom „Summer in the City - Feeling" zu holen?
Wie gestaltet sich das für Frauen und Männer mit Behinderungen, die in 12 Personen Wohngemeinschaften leben und bei Außenaktivitäten Begleitung brauchen?
Die aktuellen Betreuungsschlüssel ermöglichen, in begrenztem Rahmen, aber doch, individuelle Freizeitbegleitung. Je nach persönlichen Vorlieben wird der Besuch des Donauinselfestes, ein Urlaubstag im Simmeringer Bad, ein Konzertbesuch, bummeln in der Stadt mit Eis essen am Schwedenplatz u. a. m. geplant und umgesetzt. Willkommene und geschätzte Abwechslung vom Gruppenleben.
Willkommene und geschätzte Abwechslung für die BewohnerInnen der Wohngemeinschaft und die MitarbeiterInnen der Einrichtungen. Fotos der Events werden in Fotoalben, Tagebüchern festgehalten und immer wieder hergenommen, um sich zu erinnern und zu planen – der nächste Sommer kommt bestimmt.

Ja, wie wird der Sommer 2019 für Frauen und Männer die in Einrichtungen von Trägerorganisationen der Wiener Behindertenhilfe leben und von der Untervalorisierung 2018 betroffen sind?

Ab Herbst 2018 sehen wir uns gezwungen Betreuungsstunden zu kürzen.
Eines ist jetzt schon klar, die Kürzung der Betreuungsstunden wird zulasten der Freizeitaktivitäten gehen und damit die Teilhabemöglichkeiten verringern, denn die Versorgung im Alltag, die pflegerischen und medizinischen Bedarfe sind Grundlage körperlichen Wohlbefindens und unverzichtbar.

Der Sommer 2019 wird dann für die Frauen und Männer mit Unterstützungsbedarf in den Wohngemeinschaften nur im Blick aus dem Fenster bestehen. Blicken auf das Treiben der anderen, der Menschen ohne Behinderung, die nicht auf die Unterstützung anderer angewiesen sind, um mittendrin, um dabei sein zu können.
Selbstredend werden sich die Auswirkungen ganzjährig niederschlagen. Der Sommer ist exemplarisch gewählt, weil die ungleichen Teilhabemöglichkeiten im Sommer besonders ins Auge fallen, wenn der öffentliche Raum zur Begegnungszone wird.

Die Untervalorisierung führt über die Kürzung der Betreuungsstunden zum gesellschaftlichen Ausschluss der Wiener und Wienerinnen mit Behinderung.

Ich will nicht glauben, dass die Stadt Wien, die seit den 1980er Jahren einen konsequenten Weg der Menschenrechtspolitik für alle Wienerinnen gegangen ist, einen Rückschritt macht.

Andrea Wicha-Tanzl
Fachliche Leitung
ÖHTB Wohnen GmbH

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