.

Der Einsatz von AsylwerberInnen im Sozialbereich. Ein Gewinn für alle Beteiligten?

Die Stadt Wien hat in der Flüchtlingsfrage Beachtliches geleistet. Ein Dach über dem Kopf und ein warmes Zimmer sind lebensnotwendig. Dies halbwegs friktionsfrei zu gewährleisten ist beachtlich, allein schon wegen der großen Zahl an Menschen, die es zu versorgen galt und gilt. Allerdings dauert ein Asylverfahren im Schnitt 1,5 Jahre – deutlich zu lange, um nur im Quartier zu sitzen und zu warten. Viele AsylwerberInnen wollen einer Tätigkeit nachgehen, wollen nützlich sein und in Kontakt mit der Gesellschaft treten, zu der man irgendwann in der Zukunft auch gehören will.

Im Sinne der „Integration ab dem ersten Tag" (Regierungsübereinkommen 2015) arbeitet die Stadt Wien mit dem FSW an Beschäftigungsinitiativen für AsylwerberInnen. In diesem Rahmen unterstützt der FSW seit kurzem den gemeinnützigen Einsatz von AsylwerberInnen in Organisationen die Menschen mit Behinderung betreuen.
Der Einsatz kann vielseitig sein und beschränkt sich nicht auf Betreuungsleistungen. In jeden Fall gibt er die Gelegenheit, einer nützlichen Tätigkeit nachzugehen, unser Gemeinwesen besser kennenzulernen und Deutsch als Umgangssprache realitätsnah zu erleben.
Der finanzielle „Anerkennungsbeitrag" liegt bei maximal 110,- Euro im Monat, bei einem Einsatz von - sagen wir mal 5 Stunden in der Woche - sind das nicht ganz 5,- Euro in der Stunde, ein wahrscheinlich höchst willkommene kleine Entschädigung. Mehr darf es nicht laut §7 Absatz Grundversorgungsgesetz ohne Kürzung der Leistungen aus der Grundversorgung nicht sein. Diese Entschädigung zahlen die Träger. Gratisfahrscheine für Öffis zum Einsatzort gibt es von der öffentlichen Hand keine.

Die Idee, Menschen, die Jahre auf ihre Entscheidung im Asylverfahren warten müssen, eine sinnvolle Tätigkeit anzubieten, ist vorbehaltlos gut. Welche Non-Profit-Organisation kann nicht zusätzliche Unterstützung brauchen? Gemeinnützig tätige AsylwerberInnen sind auch keine Konkurrenz am bestehenden Arbeitsmarkt.

Dennoch, genau hier erfordert diese Aktion auch hohe Sensibilität. Wer privates, zivilgesellschaftliches Engagement und hoheitsstaatliche Aufgabenstellung vermengt, muss achtsam vorgehen.
Wir erbringen Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen. Dies erfolgt seit Jahren in einem knappen budgetären Rahmen.
Das spüren unsere MitarbeiterInnen, die wohl auch die notwendige Begleitung der neuen „PraktikantInnen" leisten werden. Sie werden sich dabei mit anderen kulturellen Hintergründen und Kommunikationsproblemen auseinandersetzen. Sie werden sich auch mit Menschen konfrontieren, die unter Umständen traumatisiert sind, und denen sie bei der Bewältigung dieser Traumata nur schwer werden helfen können.

Flüchtlingsbetreuung ist eigentlich eine staatlich garantierte Aufgabe, für die Bund und Land Geldmittel zu Verfügung stellen. Jeder Quartiergeber für AsylwerberInnen weiß das. Dass dann Fahrscheine für Menschen ein Finanzierungsproblem verursachen ist schwer nachzuvollziehen.

Den Einsatz von AsylwerberInnen wird es geben Damit er ein Gewinn für alle, AsylwerberInnen, MitarbeiterInnen und KundInnen wird, braucht es neben einer richtigen Idee und Engagement ein Bekenntnis zur Machbarkeit.

Mag. Robert Winklehner
(Auftakt GmbH - Päd. Leiter, geschäftsführender Gesellschafter)

0 Kommentare

Kommentar zu Der Einsatz von AsylwerberInnen im Sozialbereich. Ein Gewinn für alle Beteiligten??

Kommentar schreiben:





Spam-Schutz

Aus Gründen der Sicherheit ist dieses Formular mit einem Schutz gegen unerwünschte E-Mails (Spam) versehen.

Damit Sie dieses Formular absenden können, lösen Sie bitte die folgende Aufgabe.