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Gewalt hat viele Facetten und braucht daher vielfältige Maßnahmen ihr zu begegnen
  • Die Vertragsstaaten treffen geeigneten Maßnahmen, um jede Form von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch zu verhindern, indem sie unter anderem geeignete Formen von das Geschlecht und das Alter berücksichtigender Assistenz und Unterstützung für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien und Betreuungspersonen gewährleisten, einschließlich durch die Bereitstellung von Informationen und Aufklärung darüber, wie Fälle von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch verhindert, erkannt und angezeigt werden können.

Der Begriff Gewalt hat viele Facetten. Neben körperlichen Angriffen ist nach einer Definition von Richard Gelles auch „die Androhung körperlicher Angriffe, Aggression und Missbrauch auf psychischer und seelischer Ebene, sexuelle Übergriffe oder die Androhung sexueller Übergriffe, Vernachlässigung sowie Verhaltensweisen mit ein, die darauf abzielen, das Gegenüber zu beherrschen" gemeint (vgl. Gelles, 2002).

Psychische Gewalt äußert sich häufig in Form von Geringschätzung, Einschüchterung und Missachtung der Persönlichkeit aufgrund des Machtgefälles und der Abhängigkeiten in denen Menschen mit Behinderungen vielfach stehen. Oft sind dies nahe Bezugspersonen, wie Eltern, Angehörige und Betreuungspersonen, wobei niemanden unterstellt werden soll grundsätzlich und absichtlich Gewalt ausüben zu wollen.

Sexuelle Gewalt betrifft speziell (aber nicht nur) Frauen und Mädchen. Obwohl es keine offiziellen Studien gibt, schätzen ExpertInnen eine doppelt so hohe Missbrauchsrate wie bei „nicht behinderten" Menschen. Mangelnde sexuelle Aufklärung, Tabuisierung und die Ansicht, dass ein aktives Ausleben der Sexualität gesellschaftlich unerwünscht ist, begünstigen Missbrauch und schützen die TäterInnen.

Schließlich begleiten starre Rahmenbedingungen in Betreuungseinrichtungen die Ausübung von struktureller Gewalt. Das Machtgefälle zwischen dem Pflege- bzw. Betreuungspersonal und die soziale Isolation der Institutionen gelten als besondere Risikofaktoren.

Was kann dagegen getan werden? Schulungsprogramme für Menschen mit Behinderungen etablieren, Fortbildungen für Angehörige und ProfessionistInnen zur Prävention und Bewusstseinsbildung anbieten, Opferschutzeinrichtungen etablieren, deren Unterstützungsmethoden auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sind, wären einige kurzfristig umsetzbare Maßnahmen. Eine der wichtigsten Maßnahmen, die Schließung von Großeinrichtungen wird leider noch länger dauern.

Christian Moritz, IVS Wien

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