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Spätabtreibung bei Behinderung bis kurz vor der Geburt immer noch möglich
  • Das Komitee empfiehlt dem Vertragsstaat, jegliche Unterscheidung des Zeitrahmens, in dem ein Schwangerschaftsabbruch nach dem Gesetz ausschließlich aufgrund von Behinderung möglich ist, abzuschaffen.

Bei einer sogenannten „medizinischen Indikation" ist ein Schwangerschaftsabbruch über die ersten drei Monate hinaus möglich. Auch wenn ich keinem Arzt/keiner Ärztin unterstelle, dass der Eingriff leichtfertig vorgenommen wird, stellt sich die Frage ob die gesetzliche Regelung nicht menschenrechtswidrig ist und sich Ärzte und Ärztinnen mittels vorgeburtlicher Diagnostik – auch aus Eigeninteressen - absichern um nicht später für Schadenersatzforderungen belangt zu werden.

Wenn bei der Pränataldiagnostik (z. B. durch Nackenfaltenmessung) eine Behinderung oder schwere Krankheit des Kindes festgestellt wird, wird damit ein straffreier Schwangerschaftsabbruch begründet. Es gibt zuvor eine verpflichtende Beratung und drei Tage Bedenkzeit. Die Abtreibung darf auch nicht von dem Arzt/der Ärztin vorgenommen werden, der die Diagnose gestellt hat.

Die Kritik richtet sich vor allem an der Fehlerquote vorgeburtlicher Untersuchungen. Die Pränataldiagnostik ermöglicht einerseits erst im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft generalisierende Aussagen, andererseits können auch falsche Diagnosen nicht ausgeschlossen werden. So wird bei einer gewissen Anzahl von Chromosomenveränderungen generell eine Behinderung wie z. B. morphologische Fehlbildungen angenommen. Das konkrete Ausmaß könnte jedoch erst nach der Geburt festgestellt und daraus therapeutische Maßnahmen abgeleitet werden.

Aus der Situation ergeben sich auch ethische Probleme. Ab dem der 24. Schwangerschaftswoche ist es medizinisch möglich, dass der Fötus die vorzeitig eingeleitete Geburt mit ärztlicher Hilfe im Brutkasten überlebt. Um dies zu verhindern, werden die Föten häufig vor dem Abbruch im Mutterleib abgetötet.

Christian Moritz, IVS Wien

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