.

Man muss sich im Spätsommer 2015 nicht schämen für Wien. In Zeiten, in den PolitikerInnen sich österreichweit durch Feigheit und Kleingeist auszeichnen, indem sie - (Angst vor Rechtspopulismus essen Seele auf...) - Realitäten von Massenflucht, Elend und Not solange negieren bis hunderte Menschen obdachlos und 71 Männer, Frauen und Kinder qualvoll erstickt sind, in solchen Zeiten tut es gut in Wien zu leben. Wien ist erfreulich anders.

Wien übererfüllt als einziges Bundesland die Flüchtlingsquote. Wien hat in den letzten Wochen auf unspektakuläre Weise zusätzlich eine große Anzahl von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen untergebracht. Wien ist hauptverantwortlich für die Reduktion des Überbelages und der Obdachlosigkeit in Traiskirchen. Wien "motiviert" sogar den Bürgermeister von Eggenburg (NÖ) dort demnächst 50 Kinder und Jugendliche aufzunehmen. (Mit der sanften Drohung von Frau SR Wehsely sonst das ehemalige Kinderheim der Stadt Wien in Eggenburg mit 200 Flüchtlingen zu füllen. Geht doch!). Kurz gesagt: statt über Auffanglager in Nordafrika oder Libanon zu phantasieren handelt Wien und lindert Not. Federführend verantwortlich für Flüchtlingsfragen in Wien: Frau Stadträtin Wehsely und Peter Hacker als Geschäftsführer des FSW. Fazit: Politischer Mut statt Feigheit - Haltung statt Opportunismus - Helfen statt Ablenken und Wegsehen. Das alles ist möglich, sogar in Vorwahlzeiten. Respekt!

Mit der professionellen Umsetzung der Flüchtlingsbetreuung werden in Wien nicht Profit-Organisationen (wie in Traiskirchen) sondern aus gutem Grund gemeinnützige Organisationen betraut. Einige dieser Organisationen bieten auch Unterstützung für Menschen mit Behinderungen an. Auch in Fragen von Inklusion und UN Konvention geht Wien aktuell neue und mutige Wege: während Österreich weiterhin vor allem auch ein Land der Großinstitutionen ist, in dem über 25% aller Menschen mit Intellektueller Behinderung unverändert in Behindertendörfern, Heimen und Großkomplexen mit über 100 Bewohnerinnen leben (Spitzenreiter: Das Sonderkrankenhaus Kainbach in der Steiermark mit etwa 500 dauerbetreuten Plätzen), geht Wien ganz neue Wege: Statt totaler Verfügungsgewalt über alle Lebensbereiche in klassisch institutioneller Betreuung wird seit kurzem eine konsequente Trennung von Wohnen und Betreuung angestrebt. Was heißt das? Menschen mit Behinderung - auch solche mit hohem Unterstützungsbedarf - mieten ihre Wohnung in Zukunft grundsätzlich selber an. Betreuungsleistung und Wohnleistung haben nichts mehr miteinander zu tun. Es können für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf zwar auch Garconnierenverbünde (mehrere benachbarte Garconnieren im sozialem Wohnbau) geschaffen werden, die Betreuungsleistung erfolgt jedoch getrennt davon und kann auch von einem alternativen Anbieter bezogen werden. Der/die KlientIn wird so zur KundIn der/die entscheidet wo er/sie wohnt, und in Folge auch selbstbestimmt wählt wer, oder welche Organisation ihn unterstützt. Der/die KlientIn muss nicht mehr bei einer bestimmten Betreuungsorganisation "einziehen". Die Unterstützung kommt in Zukunft direkt zum/zur KundIn nach Hause.
Der FSW traut sich auch hier einen neuen, inklusiven Weg einzuschlagen. Etliche Anbieter haben dazu bereist Konzepte vorgelegt. Einige sind schon in der Umsetzung. Sie wollen im Zeichen der UN-Konvention den Weg von institutionalisierenden Versorgungseinrichtungen zu modernen Dienstleistungsorganisationen einschlagen. Inklusion ist möglich. Es braucht wie in Flüchtlingsfragen nur ein wenig Mut.

Wolfgang Waldmüller, MAS
Stv. Sprecher IVS - Wien

0 Kommentare

Kommentar zu Wien hat Mut - Flüchtlingsfrage und Inklusion?

Kommentar schreiben:





Spam-Schutz

Aus Gründen der Sicherheit ist dieses Formular mit einem Schutz gegen unerwünschte E-Mails (Spam) versehen.

Damit Sie dieses Formular absenden können, lösen Sie bitte die folgende Aufgabe.