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Ohne leistbaren Wohnraum keine Inklusion – Teil 2

In meinem BLOG-Beitrag vom 10. Juni 2015 habe ich auf die schlichte Tatsache hingewiesen, dass leistbarer Wohnraum eine notwendige Voraussetzung für eine echte Inklusion von Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft darstellt. In diesem Zusammenhang habe ich die geplanten Einschränkungen bei der sozialen Wohnungsvergabe durch Wiener Wohnen kritisiert. Nach Rücksprache mit Gabriele Mörk, die bei Wiener Wohnen für die soziale Wohnungsvergabe verantwortlich ist, hat sich nun herausgestellt, dass die von mir im Beitrag verwendeten Zahlen zum Teil unrichtig sind und dadurch ein verfälschtes Bild entstanden ist. Ich entschuldige mich dafür und korrigiere mich hiermit gerne:
• Die genannte Zahl von 2100 jährlich über die soziale Schiene vergebenen Wohnungen wurde in den letzten Jahren lediglich ein einziges Mal erreicht. Sie also als Bezugsgröße für eine reduzierte Vergabe heranzuziehen, ist nicht korrekt. Im Jahr 2014 wurden z.B. 1600 Wohnungen vergeben, für 2015 wird von 1400 ausgegangen.
• Es gibt von Seiten von Wiener Wohnen keine Vorgabe dafür, wie viele Wohnungen konkret vergeben werden können. Es gibt allerdings eine Vorgabe hinsichtlich der Zuweisungen in einzelnen Stiegen der Wohnhausanlagen. Um eine verträgliche soziale Durchmischung sicherzustellen, sollen nicht mehr als 15% der Wohnungen auf einer Stiege über die soziale Schiene vergeben werden.
• Menschen mit Behinderungen, für die Zuweisung einer Wohnung im Rahmen einer Leistung der Behindertenhilfe erfolgt, sind von den verschärften Zugangskriterien nicht betroffen.


Ich habe schon in meinem ersten BLOG-Beitrag zu diesem Thema darauf hingewiesen, dass es richtig ist, dass die Verantwortung für das Angebot an leistbaren Wohnraum nicht allein Wiener Wohnen übertragen werden kann. Mit der eingeschränkten Vergabe soll offensichtlich auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass es im Gemeindebau Belastungsgrenzen gibt, deren Überschreitung zu sozialen Konflikten führen kann, deren Beilegung immer schwieriger wird.
Die Lösung dieses Problems kann allerdings nicht im Rückzug liegen, sondern muss auf politischer Ebene offensiv angegangen werden:
• Die gemeinnützigen Wohnbauträger müssen sich verpflichten, einen Teil der geförderten Wohnungen der sozialen Wohnungsvergabe zur Verfügung zu stellen (z.T. funktioniert dies derzeit schon auf freiwilliger Basis, etwa beim Projekt Housing First in der Wohnungslosenhilfe).
• Dabei ist insbesondere darauf zu achten, dass auch barrierefreie Wohnungen angeboten werden.
• Der Vergabe soll auch im gemeinnützigen Wohnbau in erster Linie direkt an die betroffenen Personen erfolgen und nicht an die betreuende Einrichtung (wie das derzeit in der Behindertenhilfe üblich ist). Dies ganz im Sinn der geforderten Trennung von Wohnen und Betreuung (siehe dazu auch den Beitrag "Wien hat Mut") entsprechend der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
• Die Vergabe muss – zumindest zum Teil – von der Befürwortung einer Organisation, die in der Folge die Betreuung übernimmt, entkoppelt werden. Dies betrifft vor allem Menschen mit Behinderungen, die sich ihre notwendige Unterstützung selbst organisieren, etwa im Rahmen einer Pflegegeldergänzungsleistung.


Robert Mittermair, Sprecher der IVS Wien

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