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 Prof. Dr. Marianne Gronemeyer

„Hauptsache Arbeit. Aber wozu?"

Wer sich heutzutage der politischen Korrektheit befleißigen und sich auf die Seite des Anstands schlagen will, der muss für ‚Integration' und ‚Inklusion' votieren. Aber da erhebt sich augenblicklich die Frage, wer denn da wohin integriert werden soll: Die Frauen in die Männerwelt; die Habenichtse in die Konsumwelt, die Fremden in die Welt der Ansässigen; die Schwachen in die Welt der Starken; die Kranken in die Welt der Gesunden; die Scheiterer in die Welt der Funktionstüchtigen, die Arbeitslosen in die Welt der Leistungserbringer und die Verlierer in die Welt der Sieger? Aber es ist ja nicht so, dass die Starken, die Erfolgreichen, die Gesunden, die Leistungsstarken und die Sieger im Recht wären. Ich bin überzeugt, dass wir unsere Arbeitswelt, die Welt des Arbeitsmarktes so zugerichtet haben, dass in ihr gute Arbeit durchweg nicht mehr möglich ist. Und die vom Konkurrenzkampf aller gegen alle geprägte Arbeitswelt wird ja um nichts besser, wenn die Schwachen, die Frauen, die Gescheiterten und die Arbeitslosen auch noch in sie hineingeraten. Vielleicht müssten wir viel eher über das Abseits als wirtlichen Ort nachdenken als über die totale Mobilmachung für den Arbeitsmarkt.

Kurzbiografie

M.G., Dr. rer. soc., geb. 1941 in Hamburg
Acht Jahre Lehrerin an der Haupt- und Realschule
Zweitstudium der Sozialwissenschaften an den Universitäten Hamburg, Mainz und Bochum. Dissertation: 'Motivation und politisches Handeln'; (Hamburg 1976)
Von 1971 bis 1977 Friedensforschung an der Universität Bochum im Auftrag der 'Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung'
Habilitationsschrift: Die Macht der Bedürfnisse; (Reinbek 1988)
Von1987 bis 2006 Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Wiesbaden
2011 Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung
Weitere Publikationen u.a.:
- Das Leben als letzte Gelegenheit, Darmstadt 1993/1995 4. Auflage 2012
- Lernen mit beschränkter Haftung, Berlin 1996 und Darmstadt 1997.
- Immer wieder neu oder ewig das Gleiche? Innovationsfieber und Wiederholungswahn, Darmstadt 2000.
- Die Macht der Bedürfnisse. Überfluß und Knappheit, Darmstadt 2002 und 2009
- Simple Wahrheiten und warum ihnen nicht zu trauen ist, Darmstadt 2006.
- Genug ist genug. Über die Kunst des Aufhörens, Darmstadt 2008.
- Wer arbeitet sündigt. Ein Plädoyer für gute Arbeit, Darmstadt i.

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